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to school - Wiedereröffnung der Al-Kuraish Adult School in Kadhimia,
Bagdad
Im Jahr 1970 konnten 74% der Erwachsenen über 15 Jahre im Irak nicht
lesen und schreiben. 1978 begann eine nationale Kampagne zur Bekämpfung
des Analphabetismus. Hauptziel war die Ausbildung von Jugendlichen im
Alter von 9-15 Jahren und junger Erwachsener in sogenannten "Adult
Schools". Sinngemäß kann man diese als "Nachmittagsschulen"
bezeichnen weil der Unterricht für die jungen Schüler nach dem
regulären Schulbetrieb, also am Nachmittag, in den bestehenden Grundschulen
stattfand.
Das besondere am System der "Adult Schools" war, dass neben
dem regulären Unterrichtsstoff wie Lesen, Schreiben und Rechnen auch
eine handwerkliche Ausbildung, z.B. Nähen, Zimmern oder Schweißen,
auf dem Stundenplan stand. An jede Schule waren entsprechende Lehrwerkstätten
angeschlossen. Bis zum Jahr 2000 sank die Analphabetenrate durch die Kampagne
landesweit auf 44%. 95 % der Schüler verließen die Nachmittagsschulen
mit einem Abschluss und fanden qualifizierte Jobs oder machten sich als
Handwerker selbständig.
Die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im August 1990 beschlossenen
Sanktionen gegen Irak brachten das Land jedoch zunehmend in wirtschaftliche
Bedrängniss und gefährdeten damit auch das Alphabetisierungsprogramm:
Das Gehalt der Lehrer konnte nicht mehr bezahlt werden, den Werkstätten
fehlte es an Werkzeug und Maschinen, die Schulgebäude verfielen zusehends.
Während des Krieges 2003 wurden alle Schulen geschlossen. Danach
richteten sich die Bemühungen hauptsächlich auf die Wiedereröffnung
der Grundschulen.
Der Schulbetrieb an den meisten "Adult Schools" wurde bis heute
noch nicht wieder aufgenommen.
In Kadhimia, einem Armenviertel Bagdads, haben wir die Al-Kuraish Grundschule
und die daran angeschlossene Nachmittagsschule wiedereröffnet. Wir
sorgten für die Renovierung und Ausstattung der Schulgebäude
und der Werkstätten sowie für die Grundausstattung an Lern-
und Lehrmitteln. Zusätzlich verteilten wir an die Schüler Päckchen
mit Schulsachen und warme Kleidung. In Zusammenarbeit mit dem Direktor
der Schule führten wir außerdem eine „back to school“
Kampagne durch. Wir informierten die Familien, verteilten Flugblätter
und hängten Plakate auf.
Viele der in Kadhimia lebenden Familien gehören zur untersten Einkommensschicht,
Kinderarbeit ist weit verbreitet. Die Kinder und Jugendlichen arbeiten
als Schuhputzer oder ungelernte Arbeiter in kleinen Handwerksbetrieben.
Die meisten von ihnen haben nie eine Schule besucht und damit auch keine
Chance auf eine qualifizierte Berufsausbildung.
Das System der Nachmittagsschulen bietet den Schülern die Möglichkeit,
vormittags weiterhin zu arbeiten und die Familien zu unterstützen,
nachmittags zu lernen und eine Ausbildung zu erhalten. Nur in dieser Kombination
können sich viele Familien hier den "Luxus" eines Schulbesuchs
ihrer Kinder leisten.
450 Buben besuchen nun wieder die reguläre Grundschule, 130 Mädchen
und Buben werden im Rahmen der Nachmittagsschule unterrichtet. Bildung
und Ausbildung ist einer der wichtigsten Bausteine für eine bessere
Zukunft dieser Kinder.
Unser Engagement »macht Schule«: in drei weiteren Grundschulen
der Umgebung wird nun nach dem System der "Adult Schools" wieder
Nachmittagsunterricht angeboten.
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